Herausfordernde Touren
09.03.2026
Mitte Februar verbrachten wir im Rahmen einer Gemeinschaftsfahrt der Hochtourengruppe eine abwechslungsreiche Skitourenwoche in Osttirol. Es war zugleich die erste Skitour der Hochtourengruppe und eine willkommene Ergänzung zu den regelmäßig stattfindenden Hochtouren im Sommer.
Das traditionsreiche Matreier Tauernhaus erwies sich dabei als idealer Stützpunkt für unsere Unternehmungen. Von hier aus wollten wir täglich in unterschiedliche Täler aufbrechen, um die Vielfalt der Region kennenzulernen – wobei sich auch direkt vor der Haustür bereits zahlreiche lohnende Tourenmöglichkeiten bieten.
Die Rahmenbedingungen verlangten uns allerdings von Beginn an einiges ab: Ein kritischer Schneeaufbau mit einer ausgeprägten Schwachschicht und die damit verbundene angespannte Lawinenlage zwischen Stufe 3 und 4 machten eine besonders umsichtige Tourenplanung notwendig. So mussten wir unsere Ziele von Tag zu Tag neu festlegen und die Entwicklung des Lawinenlageberichtes aufmerksam verfolgen.
Zum Auftakt zog es uns nach Kals am Großglockner, wo wir den Weißen Knoten (2878 m) als erstes Ziel auswählten. Schon beim Aufstieg beeindruckte die gewaltige Kulisse der Glocknergruppe mit der markanten Glocknerwand, dem Kleinglockner und dem Großglockner. Unterhalb des Gipfels deponierten wir unsere Ski auf einem Grat und erreichten den Gipfel über eine abwechslungsreiche Kraxelei im Wechsel aus Schnee und Fels. Der Rundblick vom Gipfel war überwältigend – und belohnte uns zusätzlich mit den ersten herrlichen Pulverschneeschwüngen der Woche. Nach einem kurzen Gegenanstieg zur Glorerhütte wurden wir dort herzlich vom Hüttenwirt empfangen, bevor wir bei stimmungsvoller Abendsonne weiter ins Tal abfuhren.
Am nächsten Tag führte uns unsere Tour in das Virgental mit dem Bergerkogel (2656 m) als Ziel. Der lange Anstieg durch den Wald ging allmählich in eine eindrucksvolle, offene Hochebene über, die auf einer Seite von einer lawinenkritischen Flanke begrenzt wird. Stärker werdender Wind erschwerte den Aufstieg zunehmend, und im Bereich der Gipfelflanke machten massive Schneeverfrachtungen ein sicheres Weitergehen unmöglich. Der Abbruch fiel daher konsequent und richtig aus. Die Abfahrt entschädigte jedoch: Auf der Hochebene erwartete uns feiner Pulverschnee, und im Wald sorgten enge, spielerische Schwünge zwischen den Bäumen für viel Fahrspaß. Auch ohne Gipfelerfolg blieb diese landschaftlich reizvolle Tour in bester Erinnerung.
Der dritte Tag brachte anhaltenden Schneefall und nahezu keine Sicht. An eine sinnvolle Skitour war unter diesen Umständen nicht zu denken, sodass wir kurzerhand umdisponierten und den Tag beim Eisklettern verbrachten. Diese spannende Abwechslung bot neue Eindrücke und gab unseren Beinen gleichzeitig eine kleine Verschnaufpause.
Mit dem folgenden Wetterumschwung zeigte sich Osttirol schließlich von seiner schönsten Seite. Bei strahlendem Sonnenschein und kaum Wind führte uns die nächste Tour zur Reisachspitze (2587 m) im Pustertal. Nach einem kurzen Zustieg durch den Wald öffnete sich ein weites, beeindruckendes Tal, das einen genussvollen Aufstieg ermöglichte. Der Schlussanstieg zum Gipfelgrat war steil und erforderte den Einsatz von Harscheisen. Schließlich deponierten wir die Ski und legten die letzten Meter zu Fuß über den Grat zurück. Der Ausblick auf die Dolomiten mit den Drei Zinnen sowie auf den Großglockner war beeindruckend. In der Abfahrt zeigte sich der Schnee jedoch wechselhaft: Neben einigen schönen Pulverhängen mussten auch härtere Passagen bewältigt werden – hier war ein gutes Gespür gefragt, um die besten Schneefelder zu finden.
Am nächsten Tag kehrten wir erneut nach Kals zurück, diesmal mit dem Hohen Tor (2477 m) als Ziel. Begleitet von dichtem Schneefall arbeiteten wir uns durch stetig tiefer werdenden Pulverschnee bergauf. Die anschließende Abfahrt entwickelte sich schließlich zum Highlight des Tages: unverspurter Tiefschnee bis weit hinunter ins Tal. Kurz vor dem Parkplatz entschieden wir uns spontan für einen Abstecher ins Skigebiet und ließen den Tag bei einer gemütlichen Einkehr in einer Skihütte ausklingen.
Die ergiebigen Neuschneefälle ließen die Lawinengefahr in den folgenden Tagen jedoch deutlich ansteigen. Unter diesen Bedingungen war an eine klassische Skitour nicht mehr zu denken. Für unseren letzten Tourentag wählten wir daher bewusst eine sichere Alternative und unternahmen eine Pistenskitour im Skigebiet Kals–Matrei. Bei Sonnenschein und einer langen, genussvollen Abfahrt fand unsere Woche schließlich einen gelungenen Abschluss.
Rückblickend war die Skitourenwoche rund um das Matreier Tauernhaus von herausfordernden Bedingungen geprägt, die ein hohes Maß an Flexibilität und verantwortungsbewussten Entscheidungen erforderten. Nicht alle ursprünglich geplanten Touren konnten umgesetzt werden. Gerade diese Umstände machten die Tage jedoch besonders eindrucksvoll und lehrreich. Neben den sportlichen Erlebnissen bleibt vor allem die Erkenntnis, dass im Bergsport nicht immer der Gipfel oder die zuvor geplante Tour im Vordergrund steht – sondern die Fähigkeit, Situationen richtig einzuschätzen und verantwortungsvoll zu handeln.