© Janine Brewko

Jahreshauptversammlung des Alpenvereins

Janine und Rahul waren für unseren Verein in Passau dabei

24.11.2025

Gelebte Demokratie: Unser Vorstand knüpft neue Verbindungen, etabliert bereits vorhandene und baut ihr tragfähiges Netzwerk aus. Es zeigt sich wie wichtig echte Begegnungen, Gespräche und Verständnis für den Zusammenhalt des Alpenvereins sind. 

Berufsbedingt konnten wir am Freitag zu Beginn nicht an den ersten Tagesordnungspunkten teilnehmen. Da uns die Bahn auf den letzten Metern zusätzlich im Stich ließ, erreichten wir das Schiff, das die Sektion Passau für den traditionellen „Abend der Sektionen“ organisiert hatte, wirklich in letzter Minute. Wir waren sehr dankbar, dass wir dennoch rechtzeitig an Bord gehen konnten.

Der Abend selbst war eine echte Bereicherung: für den Austausch mit bekannten Kontakten – aber vor allem für das Knüpfen neuer Verbindungen. Besonders fiel uns auf, dass sich in vielen Sektionen personell viel bewegt. Rund um uns herum gibt es zahlreiche neue Vorstandsmitglieder, die sich ebenso wie wir erst finden und neue, tragfähige Netzwerke aufbauen müssen. Dieser Abend zeigte einmal mehr, wie wichtig echte Begegnungen und Gespräche für die Zusammenarbeit im Verband sind.


Samstag – der zweite Tagungstag

Der Samstag, traditionell geprägt von langen und teilweise kontroversen Redebeiträgen, war für Rahul die erste Teilnahme an einer Hauptversammlung. Für mich war es trotz der vergangenen Jahre – in denen ich Ralf und Ernst mehrfach begleitet habe – ein ganz neues Gefühl, nun erstmals als 1. Vorsitzende dort vertreten zu sein.

Drei Themen des Tages verdienen besondere Hervorhebung:

1. CO₂-Beitrag

Trotz mehrerer Vorträge und verschiedener Anträge bleibt der CO₂-Beitrag weiterhin bei 120 €. Die Mittel verbleiben vollständig in den Sektionen und sind zweckgebunden für klimafördernde Maßnahmen einzusetzen. Das Thema bleibt hoch umstritten, und ich bin sehr dankbar, dass Jasper Reinders, unser Klimakoordinator, hier den Überblick behält.

2. Digitalisierung

Ein zentrales Thema war die Klarstellung des Hauptverbandes zur Digitalisierung. Der Vorstand sprach offen und transparent über Fehler der Vergangenheit und deren finanzielle Folgen. Die Entschuldigung wirkte glaubhaft, ebenso die Darstellung, welche Schwierigkeiten, äußeren Einflüsse und nicht vorhersehbaren Probleme die Projektarbeit geprägt hatten.

Der Vorstand zeigte außerdem auf, wie trotz der hohen finanziellen Verluste der Weg nach vorne aussehen soll. Bedauerlicherweise genehmigte die Mitgliederversammlung die vorgeschlagene Beitragserhöhung, die für eine Neuausrichtung im digitalen Bereich notwendig gewesen wäre, nicht. Damit steht der Hauptverband vor der herausfordernden Aufgabe, den Verein dennoch auf ein belastbares digitales Fundament zu stellen – eine Aufgabe, deren Dringlichkeit nicht zuletzt durch die Vielzahl an Hackerangriffen der letzten Jahre deutlich geworden ist.

3. Leitfaden für Hütten

Der neue Leitfaden für Hütten wurde von der Mitgliederversammlung verabschiedet. Auch hier zeigten sich erneut zahlreiche unterschiedliche Perspektiven – insbesondere im Spannungsfeld zwischen kleinen und großen Sektionen.


Was wir an solchen Tagen erleben, ist gelebte Basisdemokratie. Sie ist nicht immer leicht auszuhalten, aber sie ist die ehrlichste Form, einen Verein unseres Formats zu führen. Die Spannungen zwischen kleinen und großen Sektionen werden in vielen Wortbeiträgen sichtbar. Für alle Vorstände bleibt es herausfordernd, den eigenen Mitgliedern Beschlüsse zu erklären, die im Einzelfall auch einmal zum Nachteil der eigenen Sektion ausfallen – und dennoch im Sinne der Gesamtgemeinschaft notwendig sind.

Ein Verband wie der DAV funktioniert letztlich wie eine Seilschaft in den Bergen: Jede Sektion ist ein Teil des Gefüges. Manche gehen voraus, andere sichern nach – aber alle sind miteinander verbunden. Und nur, wenn jede und jeder Verantwortung übernimmt, bleibt die gesamte Seilschaft stabil.


Nach einem langen und intensiven Sitzungstag fanden keine offiziellen Programmpunkte mehr statt. Der Abend war selbstorganisiert: Man suchte und fand sich in kleinen Gruppen zum gemeinsamen Essen, nutzte die Zeit für Gespräche und für Austausch auf Augenhöhe – ganz frei von formellen Strukturen.


Dritter Tag – Arbeitstreffen:

Der dritte Tag begann mit der Vorstellung des Vorschlags für das neue Strukturmodell. Spannend war vor allem der vorgestellte Vorschlag, statt einer klassischen Mehrjahresplanung künftig mit einem Strategievorgehen zu arbeiten. Der wesentliche Gedanke dahinter ist ein deutlicher Perspektivwechsel:
Nicht mehr zuerst das verfügbare Geld planen und anschließend Projekte mühsam in dieses Budget hineinpressen – sondern zuerst die strategischen Ziele definieren und daraus ableiten, welche Mittel dafür tatsächlich benötigt werden.

Ein zentraler Bestandteil dieses Ansatzes wäre ein Strategiegipfel, an dem die Vertreter*innen der Sektionen zusätzlich zur Hauptversammlung teilnehmen. Dieses neue Format würde ermöglichen, strategische Fragen gemeinsam, transparent und mit breiter Beteiligung zu diskutieren, bevor sie in operative Maßnahmen überführt werden.

Der wohl wichtigste Punkt des gesamten Modells ist jedoch die klare Rollen- und Verantwortungsverteilung:
• Das Ehrenamt legt die langfristige strategische Ausrichtung des Verbandes fest.
• Die Geschäftsführung übernimmt die operative Umsetzung und trägt damit – im Sinne des § 26 BGB – die rechtliche Verantwortung.

Damit würde die Verantwortung für operative Entscheidungen dorthin wandern, wo sie fachlich und organisatorisch am sinnvollsten angesiedelt ist. Zugleich würde das Ehrenamt entlastet und könnte sich stärker auf das konzentrieren, was seinen Kern ausmacht: die strategische Weiterentwicklung des Verbandes. Für den praktischen Teil gab es bunt durchgemischte Arbeitsgruppen von etwa 8 bis 10 Personen. In diesen Gruppen diskutierten wir über das zuvor vorgestellte Strukturmodell und konnten digital Rückmeldungen dazu geben. Dieses Format erwies sich als absolut gewinnbringend!

Der Austausch außerhalb der eigenen Blase und von Angesicht zu Angesicht bot deutlich mehr Tiefe als endlose Wortmeldereihen im Plenum. Alle Beteiligten äußerten ihre Zufriedenheit darüber, sich in diesem Rahmen austauschen und anschließend Rückmeldung geben zu können.

Die Rückmeldungen der Gruppen wurden an die Veranstalter weitergegeben, die sich während der Pause zusammensetzten und die ersten Ergebnisse auswerteten. Nach der Pause gab es die Möglichkeit, in einem sehr offenen Format – vier feste Redemitglieder sowie zwei freie Plätze für wechselnde Gesprächspartner*innen aus dem Plenum – auf die Rückmeldungen einzugehen.

 

Janine Brewko, 1. Vorstitzende