Das Interview führten Thomas Schwindt und Oliver Knorre.
Was bringt dich dazu beim Deutschen Alpenverein und dann auch noch in Duisburg zu arbeiten?
Ich lebe in Essen, weswegen sich eine Tätigkeit im Ruhrgebiet natürlich aufdrängt. Dass es der Alpenverein geworden ist, war letztlich Zufall.
Nach meinem Studium habe ich zunächst an der Uni gearbeitet, war aber schon seit längerem auf der Suche nach einer Alternative. Über Bekannte erfuhr ich dann davon, dass Vincent eine Nachfolge sucht.
Da ich seit vielen Jahren ehrenamtlich im Verband Christlicher Pfadfinder*innen aktiv und mittlerweile Teil der Leitung meiner Ortsgruppe bin, dachte ich mir, dass die Stelle ganz gut zu mir passen könnte. Jedenfalls denke ich, dass die Leitung der Geschäftsstelle nicht ganz so weit von dem entfernt ist, was ich in meinem Ehrenamt ohnehin schon betreibe. Dazu gehört auch, dass ich es gewohnt bin, in Vereinstrukturen zu arbeiten.
Als Pfadfinder stellen wir uns das auch mit viel Naturverbundenheit vor?
Wandern, Zelten und Lagerfeuer sind jedenfalls Dinge, die ich in meiner Freizeit sehr gerne betreibe. Das habe ich bisher häufig in den Mittelgebirgen unternommen und mache dies in meiner Freizeit gerne an Wochenenden oder im Rahmen längerer Freizeiten.
Wo wanderst du?
Im Dezember hatte ich noch ein wenig Zeit und habe mit meinem Bruder den Rheinsteig begangen und in Schutzhütten übernachtet. Im Sommer hängt es davon ab, wohin es uns verschlägt. Letzten Sommer waren wir in Frankreich. Was die Naturerfahrung angeht, ist mir Schweden in Erinnerung geblieben. Besonders, weil man dort viel freier sein Lager aufschlagen darf.
Mit welchen Erwartungen gehst du an deine Stelle, Leiter der Geschäftsstelle des DAV Duisburg, heran?
Da ich mich am Anfang meiner beruflichen Laufbahn befinde, möchte ich mich zunächst einmal ausprobieren, weiterentwickeln und orientieren. Mit der Stelle verbinde ich die Möglichkeit Erfahrung in der Koordinierung der Prozesse und Geschäfte innerhalb einer Organisation zu sammeln. Meinen bisherigen Eindrücken nach, werde ich dazu genügend Gelegenheit haben. Es ist einiges zu tun. Ich plane und organisiere im Ehrenamt ja ohnehin schon viel und freue mich darauf, dies nun auch beruflich zu tun. Mittelfristig ist das Ziel sich in den Vereinsstrukturen zu Recht zu finden. Darauf aufbauend möchte ich versuchen, die Arbeit der Geschäftsstelle effizienter zu organisieren. Hierzu gehört auch eine gute Vernetzung.
Vernetzung ist ein gutes Stichwort, hierzu gehört auch die Kommunikation mit allen Ehrenamtlichen dazu?
Auch wenn die Sektion in jeder Hinsicht professioneller aufgestellt ist, als mein Verband, wird auch die Arbeit in der Sektion mehrheitlich ehrenamtlich erledigt. Insofern gehe ich davon aus, dass der Austausch und die Vernetzung mit den Ehrenamtlichen ein relevanter Bestandteil meiner Arbeit sein werden. Ich denke, man muss sich darauf einstellen, dass man nicht jeden kurzfristig erreichen kann. Das kenne ich aus meinem bisherigen Engagement aber auch nicht anders.
Du bist seit einem guten Monat bei uns. Wie erlebst du deine Klammerfunktion zwischen dem Vorstand als Arbeitgeber und den „Ehrenamtlern“, die eine Funktion ausüben?
Mir gefällt die Rolle, man bekommt doch viel mit, insbesondere an Informationen. Die Schwierigkeit liegt darin das alle im Ehrenamt tätig sind, ich jedoch vom Vorstand auch in bestimmten Tätigkeiten eine Entscheidung benötige. Mir ist bewusst, dass ich nicht mal eben ein Büro weitergehen kann, um mir eine Entscheidung einzuholen, da muss man halt warten oder selbst nachhaken. Dies ist die herausfordernde Seite des Ganzen, besonders weil ich nicht mit einer Vollmacht oder Prokura ausgestattet bin. Hier wird sich mit der Zeit bestimmt herausstellen, in welchen Bereichen ich eigenständiger handeln kann. Aufgrund meines bisherigen Engagements ,hoffe ich mir eine gewisse Gelassenheit in diesen Fragen angeeignet zu haben.
Aus Lars Erfahrung bei den Pfadfindern entwickelte sich ein wertvolles Gespräch über den wichtigen Balanceakt zwischen Verbindlichkeiten, die man einerseits einfordert und andererseits jemanden im Ehrenamt nicht zu überfordern.
Lars kommt ohne Umschweife auf Möglichkeiten Prozesse im Verein zu vereinfachen und zu digitalisieren, die nicht nur innerhalb der Geschäftsstelle eine Erleichterung bringen, sondern auch für den „Ehrenamtler“ spürbar sind. Dies hätte er bereits mit Vincent so vereinbart. Als Beispiel nennt er Abrechnungen die durch das Ehrenamt entstehen.
Wie erlebst du gerade den Umwandlungsprozess mit der Einführung des neuen Kursbuchungssystems?
An sich ist es ein super Zeitpunkt damit anzufangen. Dadurch dass ich selber beteiligt bin, habe ich auch Gestaltungsspielraum. Ich find es sehr spannend dabei zu sein, immer in Abstimmung mit allen Beteiligten, solch ein System zu etablieren. Im Übrigen ist es nicht der einzige Prozess, der gerade neu strukturiert wird. Auch gilt es die Kletterveranstaltungen, die Christiane gerade neu übernommen hat, zu organisieren. Als Einstieg in die neue Stelle ist das einerseits super spannend, andererseits wird das sehr viel Arbeit werden. Da bin ich Vincent sehr dankbar, dass er mir eine deutlich aufgeräumtere Geschäftsstelle übergeben hat, als er sie vor ein paar Jahren übernommen hat. Ich habe einen Einblick erhalten können, wie die Kurse bisher gebucht wurden. Ich gehe davon aus, dass es in einem halben Jahr deutlich komfortabler laufen wird und freue mich, dass ich dazu etwas beitragen kann.
Du hast vorhin von einem Leitfaden gesprochen, planst du die Prozesse und Abläufe in der Sektion in einem Leitfaden niederzulegen?
Für die Geschäftsstelle sollen die internen Abläufe dokumentiert werden. Für das bestehende Kurssystem werden wir keine Fortschreibung vornehmen, da konzentrieren wir uns auf das neue System Yolawo.
In der Kommunikation mit den Mitgliedern haben wir vor Leitfäden zu erstellen, als Beispiel sei hier die Abrechnung erwähnt. Hier hat Vincent bereits ein neues Formular erstellt. Dieses werden wir mit Erklärungen ergänzen. Weitere Ideen sind Leitfäden für Kletterveranstaltungen und Kurse damit die Durchführenden gut informiert sind. Aber dies braucht seine Zeit und wird nicht in Kürze zu realisieren sein. Wir haben auch Sonja im Team, die als Mediengestalterin die Leitfäden mit Sicherheit in eine benutzerfreundliche Form bringen wird.
Fällt dir eine Aktivität in unserem Verein ein, die dich persönlich, losgelöst von deiner Anstellung, interessiert?
Ich habe schon vor das Vereinsleben alleine aufgrund meiner Anstellung kennenzulernen, dazu gehört bestimmt auch der Besuch der einen oder anderen Gruppe. Darüber hinaus habe ich bereits auch ein ausgefülltes Privatleben, dazu gehören nicht nur die Pfadfinder, sondern auch Sport. Ich spiele Badminton.
Aber ich kann mir schon konkret vorstellen die Duisburger Hütte kennenzulernen und Ski zu fahren. Ich habe mich auch dabei ertappt, schon mal über eine Tour in den Alpen nachgedacht zu haben.
Wichtig für mich ist aber auch eine gesunde Trennung zwischen Beruf und Privatleben. Insofern sind das Überlegungen für die Zukunft.
Du leitest die Geschäftsstelle unserer Sektion. Hast du Führungsgrundsätze?
Für mich ist wichtig, dass die Leute eigenständig arbeiten können. Ideal wäre ein Zustand der Koordination und kein Micromanagement zu betreiben. Das wird mir nicht immer gelingen, ich hoffe aber, dass ich mir im Ehrenamt auch in dieser Hinsicht eine gewisse Gelassenheit aneignen konnte.
Was möchtest du noch unserem Verein erzählen?
Ihr habt schon einen guten Fragenkatalog zusammengestellt. Zwei Sachen noch:
Zum einen habe ich den Kontakt mit den Vereinsmitgliedern während der Öffnungszeiten bisher als sehr angenehm wahrgenommen. Da gibt es schon eine gewisse Überschneidung der Interessen. Man agiert also auf einer Wellenlänge. Wer seit Anfang Januar noch nicht in der Geschäftsstelle war, ist eingeladen einmal für ein kurzes Kennenlernen vorbeizuschauen. Nur nicht alle auf einmal.
Zum anderen möchte ich mich zum Abschluss auch bei Anja bedanken, die mir mit ihrer kontinuierlichen Arbeit im Tagesgeschäft den Einstieg in die Arbeit der Geschäftsstelle sehr vereinfacht hat.
Nach einer guten Stunde haben wir das Interview beendet. Thomas und Oliver durften einen Menschen kennenlernen, der gelassen, entspannt, wohl formulierend, ideenreich und perspektivisch auf uns gewirkt hat. Wir wünschen dir einen tollen Start in einem tollen Verein.